Die Bergpredigt, wie sie im Heliand überliefert ist


Die Bergpredigt, wie sie im Heliand überliefert ist

Die Bergpredigt, wie sie im Heliand überliefert ist.
Aus dem Altsächsischen übertragen von Felix Genzmer.

2. Druck der Edition Tiessen. 1977.

Handsatz aus der 14p Original-Janson-Antiqua.
Umfang: 32 Seiten, 2 Blätter.
Format: 24,2 x 16,3 cm.
Inhalt: Büttenpapier Vélin d’Arches.
Einband: Fadengehefteter Pappband (gebunden von Helmuth Halbach mit einem handgefertigten Marmorpapier (unverändert nach einer alten Vorlage) von Michel Duval überzogen) im Schuber.

Normalausgabe: Eins von 500 Exemplaren (Gesamtauflage 500 Expl.) Einband mit Marmorpapier-Bezug.

 

Wolfgang Tiessen über sein Buch (1977):
Dies ist ein in mancherlei Hinsicht besonderes Buch. Für mich, weil es ein eigenes Verlagskind ist und von mir selbst gesetzt wurde. Bevor ich nämlich vor fünfzehn Jahren meine Buchhandlung gründete, war ich als gelernter Schriftsetzer und Typograph über lange Jahre einziger Mitarbeiter von Gotthard de Beauclair und habe dabei an fast allen Trajanus- und Ars-librorum-Drucken sowie an unzähligen Büchern des Insel-Verlags gestaltend mitgewirkt. Aus diesem Grunde möchte ich mich hier auch nicht zur inneren Gestalt dieser Ausgabe der Bergpredigt äußern, soweit sie von mir zu verantworten ist. Auf zweierlei möchte ich Sie hinweisen.
Bei der verwendeten Schrift handelt es sich um die vor nahezu dreihundert Jahren geschnittene Original-Janson-Antiqua. Es ist dies nicht nur eine der schönsten alten Antiqua-Schriften, sondern auch die einzige, die noch nach den Originalmatrizen gegossen wird. So erklären sich gewisse Unebenheiten, die erst bei genauerem Betrachten deutlich werden, den aus dieser Schrift gesetzten Seiten jedoch eine spezifische lebendige Bewegtheit verleihen, die sie von allen anderen heutigen Schriften unterscheidet. So nimmt es auch nicht Wunder, daß die Original-Janson-Antiqua unter Typographen und Schriftkennern sich größter Wertschätzung erfreut. Wenn man ihr dennoch nur selten begegnet, so liegt das daran, daß sie nur von Hand gesetzt werden kann.
Als ich an die Realisierung des alten Plans herantrat, der Bergpredigt (in der leider wenig bekannten Fassung, wie sie im Heliand überliefert ist) zu neuer Buchgestalt zu verhelfen, standen zwei Komponenten fest: es sollte die Original-Janson-Antiqua und für den Einband ein Marmorpapier verwendet werden. Die Suche nach Letzterem entwickelte sich zum erfreulichsten Teil des Abenteuers, das die Herstellung von Pressendrucken heute mehr denn je bedeutet (weil noch vor zehn Jahren) selbstverständliche handwerklich-technische Voraussetzungen des Büchermachens einem Kahlschlag von erschreckendem Ausmaß ausgesetzt sind).
Um es kurz zu sagen: In Frankreich begegnete ich nach langem Suchen in Michel Duval dem heutigen Meister in der Anfertigung von Marmorpapieren auch für kleine Auflagen. Eines der schönsten Papiere, die er mir anzufertigen anbot, war das dann für die Bergpredigt ausgesuchte […]. Die Vorlage dafür stammt aus dem 18. Jahrhundert. Für seine Anfertigung werden spezielle, nach alten Rezepturen hergestellte Farben verwendet. Mehr als für andere Papiere gilt dafür, daß das Muster von Bogen zu Bogen in seiner Größe, Anordnung, Bewegtheit, im Ausdruck der Farben stark variiert. Insofern ist wirklich kein Bogen wie der andere, jeder darin eingebundene Band tatsächlich einzigartig und be-geisternd – auf schönste Weise einstimmend in den eigentlichen Gegenstand des Buches: die Bergpredigt.
Über die Herstellung von Marmorpapieren, die besonders im 17. bis 19. Jahrhundert sehr beliebt waren, heißt es in Hillers ›Wörterbuch des Buches‹:
In ein flaches Gefäß wird zunächst der Schleimgrund, eine Abkochung von Karreghenmoos (isländ. Moos) gebracht. Auf diesen werden die mit einem Treibmittel versetzten Farben aufgesprengt und gespritzt. Nachdem sich die Farbe mit Hilfe der Treibmittel verteilt, aber nicht mit dem Grund vermischt hat, kann sie mit Drahtkämmen oder Stäbchen zu verschiedenen Mustern gestaltet werden. Das zu marmorierende Papier wird zunächst mit Alaunwasser präpariert und dann in die Farbschicht eingetaucht. Dabei erfolgt die Übertragung des Musters.

 

»Mit Ausnahme von ET17 sollte dies der einzige Druck der ET ohne Graphik bleiben. Das hängt zusammen mit meiner ganz persönlichen Aversion gegenüber jedem Versuch, in diesen Zusammenhängen ein Bild und Gleichnis vermitteln zu wollen. – Beim ersten Marmorpapier von Michel Duval handelt es sich meines Erinnerns um ein historisches Muster mit der Bezeichnung Feuilles de chêne.« (Aus »Wolfgang Tiessen: Rückblicke auf meine Bücher und darauf, wie es zur Edition Tiessen kam.«)

 

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